17/11/19

Der Letzte löscht das Strassenlicht

Die Frage, wie hell es in der Nacht sein soll, beschäftigt immer mehr Städte und Gemeinden, insbesondere im Hinblick auf Energieeinsparungen und die Reduzierung von Lichtverschmutzung. St. Gallen zeigt mit innovativen Projekten zur dynamischen Straßenbeleuchtung, wie die Kombination aus LED-Technologie und Bewegungssensoren für mehr Effizienz und Nachhaltigkeit sorgen kann.

Dynamische, präsenzgesteuerte Beleuchtung

Die Stadt St. Gallen ist eine der Vorreiterinnen im Einsatz von volldynamischen, präsenzgesteuerten Beleuchtungssystemen. Diese intelligenten Systeme erfassen den Bedarf und schalten die Beleuchtung nur dann ein, wenn sie benötigt wird. Das bedeutet, dass die Lampen automatisch heller werden, wenn Fahrzeuge oder Fußgänger erkannt werden, und bei leerer Strasse wieder heruntergedimmt werden. Dieses System wurde in mehreren Teilen der Stadt implementiert und hat sich als äußerst effizient erwiesen.

Urs Etter, der damalige Leiter der öffentlichen Beleuchtung, erklärt: „Wir haben an mehreren Orten in der Stadt solche Anlagen umgesetzt.“ Diese innovative Herangehensweise bietet nicht nur Einsparungen beim Energieverbrauch, sondern trägt auch zur Reduzierung von Lichtemissionen bei – ein wichtiger Beitrag zum Schutz der Umwelt.

Energieeinsparungen und Bewegungsmelder-Technologie

Die Umstellung auf LED-Leuchten und die Integration von Bewegungssensoren ermöglichen es St. Gallen, den Stromverbrauch erheblich zu senken. LED-Leuchten verbrauchen im Vergleich zu herkömmlichen Entladungslampen bis zu 50 % weniger Energie, und dank der dimmbaren Funktion können die Lampen in den Nachtstunden auf bis zu 10 % ihrer maximalen Leuchtkraft heruntergeregelt werden, ohne dass die Verkehrssicherheit darunter leidet.

Die neueste Technologie der Bewegungsmelder entwickelt sich dabei rasant weiter. Laut Daniel Tschudy, Geschäftsführer der Schweizerischen Lichtgesellschaft, kann die Zukunft der Straßenbeleuchtung sogar noch effizienter gestaltet werden. Hochfrequenz-Technologie wird in den kommenden Jahren eine wichtige Rolle spielen, da sie zwischen Menschen und Tieren unterscheiden kann und äußere Einflüsse wie Regentropfen erkennt. Damit könnte der Stromverbrauch bei optimierter Straßenbeleuchtung um über 90 % gesenkt werden.

Lichtverschmutzung und Sicherheit

Die Diskussion um die richtige Lichtmenge in der Nacht wird nicht nur aus wirtschaftlichen und ökologischen Gründen geführt, sondern auch aus Sicht der Verkehrssicherheit und des Lebenskomforts. Während einige Gemeinden, wie Ennetbaden im Kanton Aargau, die Straßenbeleuchtung nachts komplett abschalten, setzt St. Gallen auf ein intelligentes Beleuchtungskonzept, das für Sicherheit sorgt und gleichzeitig die Lichtverschmutzung minimiert.

Auch die Autobahnen in der Schweiz sind Teil dieser Bewegung. Das Bundesamt für Straßen (ASTRA) hebt die Beleuchtung bestimmter Abschnitte nach und nach auf und ersetzt herkömmliche Lampen durch LEDs. Ziel ist es, unnötige Lichtemissionen zu vermeiden und gleichzeitig die Verkehrssicherheit zu gewährleisten.

Ein Vorbild für andere Gemeinden

Das Beispiel St. Gallen zeigt, wie durch den Einsatz von LED-Technologie und intelligenten Steuerungssystemen Energie gespart und die Umwelt geschützt werden kann, ohne dabei die Sicherheit zu vernachlässigen. Viele andere Städte und Gemeinden in der Schweiz, wie Zürich und Luzern, folgen diesem Vorbild und planen die Einführung von präsenzgesteuerten Beleuchtungssystemen, um die Effizienz weiter zu steigern.